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Wohnen & Arbeiten

Neue Wege für mehr Fachkräfte: MitarbeiterInnen-Gewinnung und -Bindung

Neue Wege für mehr Fahrkräfte: Workshop für Unternehmen im Wetzlarer BTZ (c) Katrina Friese

Neue Wege für mehr Fahrkräfte: Workshop für Unternehmen im Wetzlarer BTZ (c) Katrina Friese

Um Fachkräfte für die regionale Wirtschaft zu sichern, will die Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG) mit seinem Netzwerk Bildung die heimische Wirtschaft zu besonderen Maßnahmen motivieren. Bei einem Unternehmerworkshop wurde das Thema kürzlich auf die Tagesordnung gesetzt und offenbarte Perspektiven für Teilzeitauszubildende, Berufsrückkehrer und zur Nachqualifizierung.

„Die Zielgruppe der Beschäftigten, die in Teilzeit, Minijobs oder als Berufsrückkehrer tätig sind, nimmt eine wichtige Rolle ein“, sagte RMG-Geschäftsführer Jens Ihle im Vorfeld der Veranstaltung im Wetzlarer Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ). Dabei müsse man neue Wege gehen.

Im Vordergrund des Events am 16. März 2016 unter der Moderation von Andrea Ortstadt (Vogelsberg Consult GmbH) standen konkrete Erfahrungen der Unternehmerinnen und Unternehmer, die in gemeinsamen Gesprächen mit Experten Eindrücke, Probleme und Erfahrungen besprechen konnten.

Manfred Weber von der Handwerkskammer Wiesbaden erörterte zum Beispiel die Möglichkeit, Fachkräfte, die sich in zeitlich prekären Situationen befinden, im dualen System durch flexible Teilzeitausbildungen zu sichern: Dieses Modell sei aber noch sehr unbekannt. „In unserem Kammerbezirk gibt es 9000 Ausbildungen, davon sind 28 in Teilzeitausbildung.“

Ilka Brenner von der Professur für Berufspädagogik an der Gießener Justus-Liebig-Universität verwies in diesem Zusammenhang auf eine Studie: Demnach würden insbesondere junge Frauen in dieser Situation als „gut organisiert und sehr leistungswillig beschrieben.“ Annika Allendorf vom evangelischen Familienzentrum hatte dazu Positives aus der Praxis zu berichten: „Mehr Verantwortung der Auszubildenden führt zu guten Leistungen“, sagte Allendorf.

Auf der anderen Seite sehe sich auch das Dekanat in einer sozialen Verantwortung. Voraussetzung sei allerdings ein „berechtigtes Interesse“ für die Teilzeitausbildung, z.B. durch ein Kind, einen Pflegefall oder eine Behinderung. Ebenfalls wichtig sei es, hier keine Altersbeschränkung gelten zu lassen.

Ralf Fischer von der Bundesagentur für Arbeit sieht eine „stille Reserve“ für den Arbeitsmarkt vor allem in den Berufsrückkehrern und -rückkehrerinnen – also Menschen, die seit mindestens einem Jahr nicht mehr in ihrem Beruf tätig waren.

Ziel der Agentur sei deren „Aktivierung“, wobei vor allem die Frage der Arbeitszeitflexibilisierung wichtig sei. Dr. Sabine Reichhold vom „Netzwerk Wiedereinstieg“ sieht den Vorteil für Unternehmen vor allem bei Rückkehrerinnen in der „abgeschlossenen Familienplanung und der sozialen Kompetenz“. Problem dieser „treuen Arbeitskräfte“ sei aber oft das Selbstbewusstsein.

Claudia Spiechowicz, Obermeisterin der Friseur-Innung Lahn-Dill, konnte diese positive Erfahrung bestätigen – auch wenn nach ihrer Erkenntnis in der Regel eine Weiterbildung für die Wiedereinsteiger wichtig ist.

Vor diesem Hintergrund verwies Nicole Brinkmann von der Zaug gGmbH auf rund 340.000 an- und ungelernte Arbeitskräfte in Hessen. Und: 50 Prozent aller Arbeitslosen hätten keinen Berufsabschluss, fügte Brinkmann hinzu. Zaug helfe hier mit gezielter Theorievermittlung und Prüfungsvorbereitung. Eine große Hürde sei allerdings oft die schulische Bildung.

Praktische Fähigkeiten und Kompetenzen seien in dieser Gruppe besser ausgebildet. Abschließend resümierte die Runde, Unterstützung für kleinere und mittlere Unternehmen müsse – wenn es Fachkräftesicherung geht – für diese Unternehmen zugeschnitten werden.

Am Anfang sollte hier stets der Rat von Expertinnen und Experten stehen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops ist dieser Schritt offenbar bereits getan: Sie bewerteten anschließend die Veranstaltung ausschließlich positiv. „Der Workshop hat gezeigt, dass es in diesen Bereichen ein großes Potenzial an motivierten Fachkräften gibt und dass bereits heute Unternehmen positive Erfahrungen gemacht haben“, sagte RMG-Regionalmanager Christian Piterek nach der Veranstaltung.

Die Möglichkeiten für Unternehmen, mit diesen Zielgruppen ihren Fachkräftebedarf zu sichern, müsse noch bekannter werden. „Dabei können sie auf vorhandene Unterstützungs- und Beratungsangebote zurückgreifen, die wir durch unsere Arbeit beim Regionalmanagement Mittelhessen vernetzen und transparenter machen“, fügte Piterek hinzu.


Quelle und mehr: Das Regionalmanagement Mittelhessen stärkt und vermarktet den Wirtschafts- und Hochschulstandort in der Mitte von Hessen. Der Schulterschluss aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist in den Themenfeldern Infrastruktur, Bildung und Fachkräfte sowie Forschung und Innovation tätig.

In der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH haben sich 2013 alle Handwerkskammern, Hochschulen, Industrie- und Handelskammern, Landkreise und Oberzentren mit dem Verein Mittelhessen zusammengetan, um das seit 2003 bestehende Regionalmanagement weiter zu entwickeln, und Strategien für die Region zu planen und gemeinsam umzusetzen. Mehr dazu: www.mittelhessen.eu

 

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