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Wirtschaft & Entwicklung

Für die Umwelt: Forschen und Lehren in Neu-Ulrichstein

Mit Leidenschaft und Überzeugung dabei: Gründer und Initiator des FNU, Prof. Dr. Ebke (c) Hessen Agentur / Jan Michael Hosan

Mit Leidenschaft und Überzeugung dabei: Gründer und Initiator des FNU, Prof. Dr. Ebke (c) Hessen Agentur / Jan Michael Hosan

Man sieht dem Forschungszentrum Neu-Ulrichstein (FNU) seine vielfältigen Kompetenzen nicht an. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Gutshof mit Bürogebäude,wenn da nicht die große Übersichtstafel vor dem Eingang wäre, auf der sich klingende Namen versammeln. Mit der Justus Liebig Universität, dem Fraunhofer Institut, der ECT Oekotoxikologie GmbH und Mesocosm sind es ein knappes Dutzend Einrichtungen, die die Forschungsmöglichkeiten des Campus nutzen.

Vom Labor zur Ökosystemstudie: Hier gibt es Einblicke in umweltchemische und ökotoxikologische Themen (c) Brigitta Möllermann

Vom Labor zur Ökosystemstudie: Hier gibt es Einblicke in umweltchemische und ökotoxikologische Themen (c) Brigitta Möllermann

Fünf Kilometer außerhalb des Vogelsbergstädtchens Homberg (Ohm) werden Labore und Freilandflächen sowie eine landwirtschaftliche Infrastruktur zur Verfügung gestellt, die das FNU einmalig in Deutschland machen. Als Besonderheit entstehen dabei in einem Netzwerk von Wissenschaftlern vor Ort Kooperationen und ein fruchtbarer partnerschaftlicher Austausch.

Auftragsforschung und Freilandversuche

Teichanlage im Freiland: Abendliche Führung von interessierten Besuchern - links: Prof. Dr. Ebke (c) Brigitta Möllermann

Teichanlage im Freiland: Abendliche Führung von interessierten Besuchern - links: Prof. Dr. Ebke (c) Brigitta Möllermann

Das Zentrum Neu-Ulrichstein offeriert allen Forschenden auf den Gebieten der Ökotoxikologie, der Umwelttechnologie, der regenerativen Energien, dem Umweltschutz und der Landwirtschaft seine Dienstleistungen. So sind auf dem 5 ha großen Gelände und den ca. 150 ha Acker- und Wiesenflächen das ganze Jahr über Feldversuche unter realistischen Bedingungen möglich. Bei Bedarf werden sie von Landwirten und Imkern vor Ort unterstützt.

Fließgewässeranlage: Als Erfolg der Wissensschmiede ist zu verbuchen, dass darüber bereits vier Doktorarbeiten geschrieben wurden (c) FNU

Fließgewässeranlage: Als Erfolg der Wissensschmiede ist zu verbuchen, dass darüber bereits vier Doktorarbeiten geschrieben wurden (c) FNU

Das ganze Jahr über treffen sich hier im Vogelsberg Experten für Umweltanalytik, um z. B. Schadstoffmessungen und Produktuntersuchungen vorzunehmen. Auch Fachleute für Bodenkunde, die die Eigenschaften und den Bodenschutz im Fokus haben, sind immer wieder vor Ort. Dazu kommen Studenten der Limnologie, einem Teilgebiet der Ökologie, genauer gesagt der Binnengewässerkunde, die verschiedene Aspekte in stehenden und fließenden Gewässern untersuchen.

Vielfältige Möglichkeiten der Freiland- und Laboruntersuchungen für Studenten und Gastforscher (c) FNU

Vielfältige Möglichkeiten der Freiland- und Laboruntersuchungen für Studenten und Gastforscher (c) FNU

Um herauszufinden, wie bestimmte Chemikalien in der Umwelt und auf den Menschen wirken, müssen die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden, die benötigt werden, um Motten, Mäuse , Pilze oder Bakterien u. ä. fernzuhalten, ihre Produkte vor der behördlichen Zulassung in einem mehrstufigen Prozess prüfen lassen. Die letzte Instanz für diese Fachstudien sind oft die am FNU angesiedelten Spaziallabore.

Der Wasserfloh im Glas hat es ihm angetan

Neu Ulrichstein: Forschungszentrum und landwirtschaftlicher Modellbetrieb (c) Brigitta Möllermann

Neu Ulrichstein: Forschungszentrum und landwirtschaftlicher Modellbetrieb (c) Brigitta Möllermann

Für den Initiator des FNU, Prof. Dr. Peter Ebke, sind aber Algen, Krebstiere, Insektenlarven, Schnecken und Fische wichtig. Als Teil von Lebensgemeinschaften werden Wasserorganismen oft über einige Monate hinweg zu Untersuchungszwecken in dem künstlichen Freiland-Teichesystem auf dem Gelände verschiedenen Prüfstoffen ausgesetzt.

Bei Workshops und Tagungen werden Feldversuche und Methoden u. a. zur Risikobewertung von Schadstoffen vorgestellt (c) FNU

Bei Workshops und Tagungen werden Feldversuche und Methoden u. a. zur Risikobewertung von Schadstoffen vorgestellt (c) FNU

Als Leiter des bei FNU ansässigen Instituts für Gewässerschutz MESOCOSM begann Peter Ebke mit seiner Frau Marlene im Jahr 2002 mit einem Wasser-Prüflabor. Heute ist er Honorarprofessor und Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen. Er hält Vorlesungen und bietet gleichzeitig Praktika sowie Seminare an. In den Gästezimmern des Hauses leben als "Forscher-WG" ständig mehrere Masterstudenten, Dokoranden und Gastforscher der Partnerlabore.

Erkenntnisse werden direkt am Objekt diskutiert - Mitte Prof. Dr. Ebke (c) Hessen Agentur / Jan Michael Hosan

Erkenntnisse werden direkt am Objekt diskutiert - Mitte Prof. Dr. Ebke (c) Hessen Agentur / Jan Michael Hosan

Die Firma MESOCOSM kooperiert u. a. mit dem Bik-F - Biodiversität und Klima Forschungszentrum der Senckenberg Gesellschaft, wo Ebke mit einer Projektgruppe eine Messtechnik entwickelt, die den Zustand und Veränderungen von Gewässern zeitnah erfassen soll. Der studierte Biologe spricht das Wort "Ökotoxologie" dabei gelassen aus. Neben Mikrobiologie und Bioenergie ist es eins seiner Hauptthemen, das er liebend gerne einmal in der Sendung "Alles Wissen" im Fernsehen vorstellen würde. Auch würde er sich freuen, wenn die Naturschützer sich für die solide Forschung des FNU interessieren könnten.

Die Halle als Hörsaal: Fachpublikum und NachwuchswissenschaftlerInnen bei einer Tagung (c) FNU

Die Halle als Hörsaal: Fachpublikum und NachwuchswissenschaftlerInnen bei einer Tagung (c) FNU

Sehr wichtig ist ihm die Tatsache, dass der Studiengang Umweltwissenschaften an der Gießener Universität inzwischen den Schwerpunkt Ökotoxologie enthält, das sich mit der Wirkung von natürlichen und chemischen Stoffen auf die belebte Umwelt befasst. Daneben begeistert er sich seit dem Jahr 2016 für sein Pilotprojekt mit den Klassen 6 und 9 der Homberger Schule, wo der Biologieunterricht als außerschulischer Lernort von ihm gestaltet wird. Ganz neu hinzugekommen ist gerade im Januar 2017 ein naturwissenschaftliches Schülerlabor an der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule, das ab jetzt für den Wahlunterricht mit dem Forschungszentrum Neu-Ulrichstein alle Praxiserfordernisse neben der Theorie bietet.

Adresse FNU
Forschungszentrum Neu-Ulrichstein
Neu-Ulrichstein 5
35315 Homberg (Ohm)
Telefon: (0 66 33) 64 27 40
Web: www.neu-ulrichstein.de

Quelle: Brigitta Möllermann - Besuch bei Prof. Dr. Peter Ebke in Homberg Neu-Ulrichstein - Interview Dezember 2016


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