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Wirtschaft & Entwicklung

Weber CNC-Zerspanung: Zwischen Handwerk und Industrie

Imagefilm Weber CNC-Zerspanung

Von der Feinmechanik zur computergesteuerten Fertigung in Hightechqualität

Ein Besuch bei der Firma in Homberg mit Betriebsrundgang und Interview im März 2016

Ganz früher waren einst Feile und Schaber die Hauptwerkzeuge eines Metall bearbeitenden Handwerkers. Bei dem Firmengründer Horst Weber, einem Feinmechanikermeister aus dem Vogelsberg, war es anfangs eine gebrauchte Fräsmaschine ohne Computersteuerung. Seine Tochter Julia Löchel, die seit 2014 gemeinsam mit ihrem Mann Sascha die kommissarische Geschäftsführung von "Weber CNC-Zerspanung" übernommen hat, erinnert sich, dass sie in den 1990er Jahren als Kind beim Durchqueren der Handwerksscheune ihres Vaters warten musste, bis der Maschinentisch der Schleifmaschine zur Seite gefahren war, so eingeschränkt waren die Platzverhältnisse in der Gründerzeit.

Einige Messgeräte in der Qualitätssicherung (c) Brigitta Möllermann

Einige Messgeräte in der Qualitätssicherung (c) Brigitta Möllermann

Spezielles Know-how und stetes Wachstum

Die ab 1990 von Horst Weber zuerst nebenberuflich geführte Ein-Mann-Firma "Weber Feinmechanik" entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem gefragten Fertigungsunternehmen. Schon 1995 schaffte er seine erste computergesteuerte Fräsmaschine an. Ein Jahr später konnten drei Mitarbeiter eingestellt werden. Und das Jahr 2000 begrüßte man bereits in einem neu errichteten Fertigungsgebäude im Industriegebiet "Auf den Sandäckern" am Homberger Stadtrand. 20 Mitarbeiter und drei Auszubildende sorgten ab nun für die Abwicklung der steigenden Anzahl von Aufträgen.

In der Branche bekannt für Qualität und hohe Liefertreue

Das Unternehmen wuchs mit den Jahren heran zu dem mittelständischen Betrieb "Weber CNC-Zerspanung" mit inzwischen 50 engagierten Fachkräften. Durch den Einsatz modernster Maschinen, die dem neuesten Technologiestand entsprechen, zeigt sich die Firma besonders leistungsfähig.

Schichtführer Jens Kreuder mit Gehörschutz an einem CNC Fräszentrum (c) Brigitta Möllermann

Schichtführer Jens Kreuder mit Gehörschutz an einem CNC Fräszentrum (c) Brigitta Möllermann

Maßgeschneiderte Produkte werden im "Zerspanungsverfahren" gefertigt. Das bedeutet, Werkstücke werden in geometrische Formen gebracht durch Entfernen von Material - meistens als Späne. Auf diese Weise ist man in der Lage, Einzelteile und Kleinserien bis zu mehreren 1000 Stück für verschiedene Anlagen oder Apparate sowie Maschinen und Fahrzeuge nach kundenspezifischen Anforderungen herzustellen.

Faszination Technik: Fräsen, Drehen, Bohren und Schleifen

Gearbeitet wird bei CNC-Zerspanung regelmäßig 40 Stunden pro Woche in zwei Schichten: Von 6 bis 14.30 Uhr und von 14:15 bis 22:45 Uhr. Notfalls legt man auch mal eine Nachtschicht ein, um für eine Kundenbestellung eine kurze Lieferzeit zu garantieren.

Die Maschinenbauteile und Platten, die zu 95 % produziert werden für den deutschen Markt, bestehen vorwiegend aus Stahl, Edelstahl, Aluminium und Kunststoff. Die Bearbeitung der Bauteile durchläuft verschiedene Arbeitsstationen mit Bohr- oder Fräsoperationen in höchster Präzision. Am Ende wird für die nötige Genauigkeit eine Maßhaltigkeitsprüfung mit Mikrometern im Messraum vorgenommen.

Teilefertigung in komplexer Spitzentechnologie

Sascha Löchel zeigt verschiedene mechanische Bauteile und beschreibt die Arbeitsvorgänge bei der Fertigung (c) Brigitta Möllermann

Sascha Löchel zeigt verschiedene mechanische Bauteile und beschreibt die Arbeitsvorgänge bei der Fertigung (c) Brigitta Möllermann

Im Bereich CNC (Computerized Numerical Control) Fertigungstechnik stehen bei Weber inzwischen auch einige elektronisch gesteuerte 5-Achsen-Fräszentren, die in einem Arbeitsgang Freiformen und mehrseitige Bearbeitungen erstellen können. Ihr Vorteil ist die Möglichkeit der vertikalen Dreh- und Kipp-Bearbeitung neben den Bewegungen rechts-links, hoch-runter sowie vor-zurück in höchster Präzision ohne Umspannfehler.

Beim Fräsen und bei hohen Drehzahlen muss regelmäßig wegen der Erwärmung das Werkstück gekühlt werden. Benutzt wird dazu ein Wasser-Öl-Gemisch.

Die Belegschaft: 50 motivierte Mitarbeiter

Sascha Löchel berichtet, dass mit jeder Technikänderung die Anforderungen im Betrieb wachsen: "Daneben ist es immer wieder eine Herausforderung, dem unternehmerischen Wettbewerb auf dem freien Markt standzuhalten. Ein ganz wichtiges Element ist dabei für uns die Kundenzufriedenheit. Mit unseren Auftraggebern pflegen wir in der Regel eine erfreulich langfristige Zusammenarbeit."

Wer gut ist, hat einen Job

Julia Löchel (links) mit einem Auszubildenden und dem Ausbildungsleiter Jürgen Trier (rechts) - Foto (c) Brigitta Möllermann

Julia Löchel (links) mit einem Auszubildenden und dem Ausbildungsleiter Jürgen Trier (rechts) - Foto (c) Brigitta Möllermann

Wenn die Sprache auf die Facharbeiter kommt, bemerkt Julia Löchel: "Bei einer Stellenausschreibung für eine Bürokauffrau meldeten sich neulich rund 30 Bewerberinnen für die Ausbildungsstelle." Die Suche nach einem zukünftigen Zerspanungsmechaniker gestalte sich dagegen viel schwieriger. "Einerseits mag das an der Maschinenvielfalt in diesem speziellen Bereich liegen, andererseits möglicherweise auch daran, dass qualifizierte Bewerber nicht frei verfügbar sind. Erwünscht wären bei uns Bewerber mit gutem Realschulabschluss", ergänzt sie.

Darüber hinaus beklagt man, dass kaum eine allgemeinbildende Schule zukünftigen Handwerkern entsprechendes Basiswissen biete, da Inhalte, Schwerpunkte und Arbeitsbedingungen dieses inzwischen hochqualifizierten technischen Berufes des Zerspanungsmechanikers weder Lehrern noch den Schülern ausreichend bekannt wären. Auch, dass noch eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten hinzukäme.

Ein neuer Mitarbeiter beim Entgraten einer bereits gefrästen Aluminiumplatte (c) Brigitta Möllermann

Ein neuer Mitarbeiter beim Entgraten einer bereits gefrästen Aluminiumplatte (c) Brigitta Möllermann

"Die Zeiten von Schmutz und körperlicher Schwerstarbeit sind lange vorbei, während der Anteil der Bildschirmarbeit am Computer immer größer wird. Wenn manche Jugendliche, die heute vor Ihren Videospielen sitzen, wüssten, wie sehr inzwischen die Aufgaben eines Zerspanungsmechanikers am PC mit ihrem Hobby vergleichbar sind, wäre das Interesse an diesem Beruf sicherlich größer", ist man bei der Firma Weber überzeugt.

Ein professionelles Team mit familiären Strukturen

Eine Frage taucht auf: "Warum wurde Ihr Betrieb in der kleinen Stadt Homberg im Vogelsbergkreis angesiedelt?" Die Antwort kommt sofort und mit einem Lächeln: "Wir leben und arbeiten sehr gerne auf dem Land und wollen hier nicht weg."

Familie Weber stammt aus Gontershausen, einem 250-Einwohner-Stadtteil von Homberg, nur drei Kilometer davon entfernt. Die Stadt mit knapp 8.000 Einwohnern befindet sich in 20 Kilometern Entfernung von der Universitätsstadt Marburg bzw. von Stadtallendorf. "Man kann dieses Gebiet nicht wirklich als strukturschwach bezeichnen. Es gibt auch alle nötigen Schulen hier", ist dazu zu hören.

Vorbereitung einer Platte Panzerholz zur Fräsbearbeitung (c) Brigitta Möllermann

Vorbereitung einer Platte Panzerholz zur Fräsbearbeitung (c) Brigitta Möllermann

Seit 2002 und 2003 arbeiten Julia und Sascha Löchel im Betrieb mit. Beide sind vom Fach. Sie haben nach der Realschule und dem Fachabitur in der Marburger Universität eine fundierte Feinmechanikerlehre abgeschlossen: "Eine Werkstatt, von der wir heute noch gut ausgebildete Mitarbeiter bekommen."

Vor zwei Jahren übernahm Horst Webers Schwiegersohn Sascha die Kundenbetreuung samt Disposition, Kalkulation und Preisverhandlungen. Von ihm werden die Stückteilpreise berechnet, dazu wird die Maschinenbelegung geplant - in der Regel vier bis sechs Wochen im Voraus.

Ein halbes Dutzend Mitarbeiter ist von Anfang an dabei

Neben dem speziellen Fachwissen liegt ein weiteres Geheimnis des Erfolgs der Firma Weber vermutlich in der Zusammensetzung ihrer Arbeitnehmer. Im Homberger Betrieb arbeiten Alt und Jung gleichberechtigt neben- und miteinander. "Die jungen Wilden, wie wir sie manchmal nennen, probieren gerne mal aus, wie schnell ein Werkstück produziert werden kann, während unsere erfahrenen älteren Mitarbeiter grundsätzlich den Wert der Sache im Fokus haben", teilt der Juniorchef mit.

Auszubildende besprechen die Fertigungsstrategie eines herzustellenden Bauteils (c) Brigitta Möllermann

Auszubildende besprechen die Fertigungsstrategie eines herzustellenden Bauteils (c) Brigitta Möllermann

Drei Angestellte sind im Büro, vier bis fünf in der Technik, der Rest der Belegschaft ist in der Fertigung beschäftigt. Darunter zählen auch die bis vier Auszubildenden pro Lehrjahr - bis zu zehn insgesamt. "Die Jungen", sagt Julia Löchel, "kümmern sich nebenbei auch um unsere Facebookseite." Dort sind neben Glückwünschen u. a. die eine oder andere Stellenanzeige, Ideen für T-Shirt-Druck, Bilder von Betriebsausflügen zu finden. Dazu kann man sich Filme aus der Fertigungshalle anschauen.
Mehr dazu: HIER <-KLICK.

Horst Weber - Gründer und Inhaber der 'Weber CNC-Zerspanung' (c) Horst WeberFirmeninhaber Horst Weber (Foto links)  hat die Hierarchie in seinem Betrieb immer flach gehalten. Bis auf den jeweiligen Schichtführer, der den Bereich Fertigung eigenverantwortlich organisiert, gibt es auch heute noch keine festgefahrenen Strukturen. Angestrebt wird immer ein gutes Verhältnis untereinander, bestimmt durch Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme.

Für eine offene, lebendige Atmosphäre im Betrieb sorgen zusätzlich auf der einen Seite jährliche Mitarbeitergespräche und andererseits die täglichen Kurzunterhaltungen der Tochter des Firmengründers mit jedem der Mitarbeiter. Beim morgendlichen Rundgang erfährt sie so manche Kümmernisse sowie jeweils Wichtiges zum "Stand der Dinge". Kein Wunder also, dass die Firma Weber vom Bündnis für Familie bereits 2011 für Familienfreundlichkeit in punkto "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" ausgezeichnet wurde.

Weber CNC-Zerspanung: Das Firmengebäude in Hombergs Industriegebiet (c) Brigitta Möllermann

Weber CNC-Zerspanung: Das Firmengebäude in Hombergs Industriegebiet (c) Brigitta Möllermann

Weber CNC-Zerspanung
Auf den Sandäckern 2
35315 Homberg (Ohm)
Telefon: (0 66 33) 64 37 50
Web: www.weber-zerspanung.de


Quelle: Brigitta Möllermann

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