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Dossier: Vogelsberg Wasser

August 2016 - Schulterschluss der Regionen gegen den neuen Wasserraubbau

Überreichung der Unterschriften im Umweltministerium - v.l. Cécile Hahn, Dr. Anne Archinal, Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (c) Dr. Hans Otto Wack

Überreichung der Unterschriften im Umweltministerium - v.l. Cécile Hahn, Dr. Anne Archinal, Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (c) Dr. Hans Otto Wack

Die Antwort der Bevölkerung auf die Pläne der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main (WRM), mehr Fernwasser nach Rhein-Main importieren zu wollen, fällt sehr deutlich aus. Am 1. August übergab die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) im Wiesbadener Umweltministerium 9.925 gültige Unterschriften gegen eine Steigerung der Liefermengen aus dem Umland in den Ballungsraum.

Cécile Hahn, Vorsitzende der SGV, und Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der 'Aktionsgemeinschaft Rettet den Burgwald', händigten zwei volle Aktenordner mit Listen und Postkarten plus eine Aufstellung über 1.339 Online-Unterzeichnungen an Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser als Vertretung der eigentlichen Adressatin, Umweltministerin Priska Hinz, aus.

"Wir sind von dieser Flut an Unterschriften aus Mittel- und Südhessen wirklich überrascht", sagte Cécile Hahn dazu. "Vor allem mit welchem Engagement etliche Mitbürgerinnen und Mitbürger in Eigeninitiative in ihrem Umfeld aktive Überzeugungsarbeit geleistet haben. Das ist für ein Thema, welches bis vor kurzem viel zu wenig öffentlich diskutiert wurde, ein gewaltiger Fortschritt."

Auch bei der regionalen Verteilung der Unterzeichner gab es einiges zu staunen. "Sicherlich war zu erwarten, dass die meisten Unterschriften aus dem Vogelsberg, der nördlichen Wetterau und dem Burgwaldgebiet stammen würden", so Cécile Hahn weiter, "dass aber auch viele Menschen aus Verbrauchsgebieten wie der südlichen Wetterau, dem Landkreis Gießen und dem Rhein-Main-Gebiet unterschrieben haben, freut uns sehr. Ebenso erfreulich ist, dass unser Verein im Zuge der Aktion etliche Neumitglieder verzeichnen kann."

In der Tat ist der Erfolg der Unterschriftensammlung vor allem den besonderen Anstrengungen von SGV-Mitgliedern wie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, den Naturfreunden Lauterbach und örtlichen Naturschutzgruppen, öffentlichen Veranstaltungen in allen Gewinnungsgebieten und den Aufrufen von SGV-Mitgliedskommunen zu verdanken.

Aber er ist auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Menschen die angebliche Alternativlosigkeit von mehr Fernwasser für Rhein-Main zu Recht bezweifeln. Denn es ist eine zentrale Forderung der Petition an die Ministerin, die Eigenversorgung des Ballungsraumes zu stärken, anstatt neue Leitungen zu bauen und mehr Grundwasser aus dem Naturraum zu fordern.

"Die Unterschriften sind auch ein klares Votum gegen die neue Fernwasserleitung zwischen dem Zweckverband Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) und der OVAG", so die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Rettet den Burgwald, Dr. Archinal.

"Wir haben diese Forderung deutlich in den Vordergrund gestellt, da der völlig überflüssige Leitungsbau dem Naturraum kostbares Grundwasser entziehen und es zur Handelsware  degradieren wird. Im Gegenteil fordern wir die Ministerin auf, als oberste Wasserbehörde den heutigen Fernwasserexport aus dem Naturraum in das Ballungsgebiet Rhein-Main zu reduzieren, und alternative Möglichkeiten der Eigenversorgung zu aktivieren. Und zwar umgehend. Der Klimawandel und sinkende Grundwasserstände sind bereits Realität und lassen für das Umsetzen keinen zeitlichen Spielraum mehr."

Im Rahmen der Unterschriftenübergabe konnten SGV und Aktionsgemeinschaft mit der Staatssekretärin Einigkeit darüber erzielen, dass nur eine klare politische Entscheidung eine zukunftsfähige Vereinbarkeit von Wasserversorgung und Naturschutz auf den Weg bringen kann. Dr. Tappeser hatte in diesem Zusammenhang eine Überraschung parat.

Nach ihren Worten hat das Land Hessen eine wichtige Forderung der hessischen Umweltverbände erfüllt und seine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft WRM gekündigt. Denn diese wird recht einseitig im Sinne der Wasserversorgung von der Hessenwasser GmbH & Co KG geleitet. Mit dem bereits vollzogenen Rückzug wolle das Ministerium seine lange geforderte Neutralität als oberste Wasserbehörde unterstreichen, so die Staatssekretärin.

Mit der überaus erfolgreichen Unterschriftenaktion stellt die mittelhessische Bevölkerung unter Beweis, dass sie hinter den Forderungen für ein Zurückfahren des Wasserexportes und für einen Lastenausgleich durch die Nutznießer der Fernwasserversorgung steht.

Dass dies auch einen enormen Auftrieb für die Arbeit der SGV und ihrer aktiven Mitglieder darstellt, versteht sich von selbst. Daher bedankt sich der Vorstand der SGV für die vielen Ermutigungen, die sie erfahren hat, und das intensive Sammeln von Unterschriften ganz herzlich und wird diesen Schwung in die anstehenden Verhandlungen um ein neues Leitbild für die hessische Wasserwirtschaft mitnehmen.

Quelle: Cécile Hahn, Vorsitzende SGV

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2018 Vogelsberg