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Land & Leute

Jeder durfte, niemand musste... Karuszel Gebirgskulturen - Stammtisch im Februar 2016

Neumitglieder im Verein wurden wie üblich mit einem Käse begrüßt (c) Brigitta Möllermann

Neumitglieder im Verein wurden wie üblich mit einem Käse begrüßt (c) Brigitta Möllermann

Einmal im Monat treffen sich die Karuszel-Mitglieder - diesmal am 12. Februar 2016 im Gasthof Zur Mühle in Lauterbach-Rimlos zu einem ihrer Kreativabende. Üblicherweise kann dabei jeder etwas zur Unterhaltung beisteuern. Angekündigt war Wolfgang Diesing, der von seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Flüchtlingshilfe berichten wollte.

Der Käse hat historische Bedeutung, ist aber essbar (c) Brigitta Möllermann  Bodo Runte war zufrieden: Mehr als 50 Mitgleider hat der Verein nun (c) Brigitta MöllermannBodo Runte (rechts) war zufrieden: Mehr als 50 Mitglieder hat der Verein nun (c) Brigitta Möllermann

Das Thema lockte eine besonders große Runde an den Stammtisch. Außer dem Pensionär Diesing aus Helpersheim, der seit Dezember Deutsch für Syrer und Kurden in der Ulrichsteiner Unterkunft unterrichtete, machte auch Doris Hengsbach in Feldatal ihre ersten Erfahrungen. Beide schilderten ihre Erlebnisse mit den Neuankömmlingen im Vogelsberg.

Wolfgang Diesing will nach dem intensiven Einführungskurs seinen Schülern weiter als Begleiter zur Verfügung stehen (c) Brigitta Möllermann

Wolfgang Diesing will nach dem intensiven Einführungskurs seinen Schülern weiter als Begleiter zur Verfügung stehen (c) Brigitta Möllermann

Wolfgang Diesing erzählte, dass ihn Klaus Schwing und seine Frau Helga, die bereits für die Flüchtlinge aktiv geworden waren, auf die Idee gebracht hatten. Und obwohl in der Unterkunft inzwischen Computer zur Verfügung standen, fand sein Unterricht mit Papier, Stift sowie an der Tafel statt. Auch praktische Dinge wusste er zu vermittelten. Zum Beispiel wurden einige Stunden - zur Begeisterung seiner vier erwachsenen Schüler - im Supermarkt und in einem Möbelhaus in Frankfurt verbracht. Insgesamt 93 Stunden und 593 Fahrtenkilometer kamen dabei zusammen.

Der Kellner erfüllte professionell und geduldig in dem vollbesetzten Raum die kulinarische Wünsche der Gäste (c) Brigitta Möllermann

Der Kellner erfüllte professionell und geduldig in dem vollbesetzten Raum die kulinarische Wünsche der Gäste (c) Brigitta Möllermann

Da zwei der Lernenden nie eine Schule besucht hatten und weder lesen noch schreiben konnten, stand die tägliche persönliche Ansprache im Vordergrund. Einer der "Schüler", der 45-jährige Bauingenieur Mohammed - von Wolfgang "Milind" genannt ("weil fast jeder Araber Mohammed heißt") - war zu der Veranstaltung mitgekommen (auf dem Foto hinten stehend). Er fand sogar einen Gesprächspartner unter den Anwesenden, der durch verschiedene Auslandsaufenthalte des Arabischen mächtig ist.

Doris Hengsbach gab einen Einblick in ihre Ehrenamtsarbeit (c) Brigitta Möllermann

Doris Hengsbach gab einen Einblick in ihre Ehrenamtsarbeit (c) Brigitta Möllermann

Auch Doris Hengsbach bringt sich in der Flüchtlingsbetreuung ein. Mit viel Freude vermittelt sie zwei Mal in der Woche für je zwei Stunden einer Gruppe Flüchtlinge unsere Sprache. Den Anwesenden erläuterte sie, dass "auch emotionell viel los" wäre in den Familien dieser Menschen. Aus diesem Grunde nehme sie nun am Kurs "Flüchtlingsbegleiter"des Evangelischen Dekanats Alsfeld teil. Mehr dazu: KLICK.

Weitere Beiträge für den Kreativabend wurden vorgestellt (c) Brigitta Möllermann

Weitere Beiträge für den Kreativabend wurden vorgestellt (c) Brigitta Möllermann

Ein halbes Dutzend der Stammtischfreunde hatte sich zu Beginn des Abends gemeldet, um etwas vorzutragen. Hinzu kamen einige Gäste, die sich vorstellten und teils auch für die Zukunft Interessantes in Aussicht stellten. Demokratisch und liebenswert "verwaltet" wurde die Liste von Helga Hase-Tranelis, die u. a. auch die Einladungen für die Stammtische per E-Mail verschickt.

Einen dadaistischen Überraschungsgig hatte Josef Michael Ruhl für die Zuhörer auf Lager (c) Brigitta Möllermann

Einen dadaistischen Überraschungsgig hatte Josef Michael Ruhl für die Zuhörer auf Lager (c) Brigitta Möllermann

Architekt und Hobby-Sperrmüllpilot Michael Ruhl präsentierte ein paar Minuten lang Original Dada: Musik zu Lichteffekten und Maske mit dem Lied "Muss i denn zum Städele hinaus". Wie kein Zweiter befasst er sich immer wieder mit Kunst auf ungewöhnliche Weise. Dadaismus gilt als internationale Kunst- und Literaturrichtung aus dem letzten Jahrhundert. Mit ihr revoltierte man damals für die Freiheit der Kunst, indem u. a. Irrationales hervorgehoben wurde. Zufallsaktionen wurden zur gewollten Antikunst oder auch satirischen Parodie hochstilisiert.

Das Publikum war amüsiert und verdutzt: Als Dadaist des Abends definierte Ruhl Dada(ismus) bewusst nicht (c) Brigitta Möllermann

Das Publikum war amüsiert und verdutzt: Als Dadaist des Abends definierte Ruhl Dada(ismus) bewusst nicht (c) Brigitta Möllermann

Nach dem Ersten Weltkrieg mit seinen falschen Idealen und Wertevorstellungen verbreitete sich diese Bewegung von der Schweiz nach Deutschland, Frankreich bis in die USA. Absichtlich gegen den guten Geschmack und zu viel Disziplin erwuchs aus "Dada" später der Surrealismus. (Und diesem frönt Michael liebend gerne des Öfteren :-)

Bekannt für seine Rosenkulturen und die offene Gartenpforte in Bermuthshain: H.-J. Tiedt (c) Brigitta Möllermann

Bekannt für seine Rosenkulturen und die offene Gartenpforte in Bermuthshain: H.-J. Tiedt (c) Brigitta Möllermann

 
Hans-Jürgen Tiedt gab ein kleines "erotisches Wechselspiel" zum Besten. Das reizende Gedicht von Fred Endrikat handelte von Neckereien und der Liebe: "Sie lagen hinterm Gartenzaun und waren lieblich anzuschaun. Fürwahr, ein Pärchen wundervoll, die Gurke Knill und Kürbis Knoll."

Lacher rief unter anderem der Satz hervor: Ein Jugendlicher sagt: Das Glas ist voll leer (c) Brigitta Möllermann

Lacher rief unter anderem der Satz hervor: Ein Jugendlicher sagt: Das Glas ist voll leer (c) Brigitta Möllermann

Michael Ruhls Freund und Gast Friedhelm las humorige Ansichten zum Wasserglas vor. Die Frage, ob es halb leer oder halb voll war, wurde unter verschiedenen Aspekten betrachtet, zum Beispiel eines Physikers, eines Fatalisten oder Nihilisten ("existiert das Glas?") eines Großhändlers sowie auch einigen anderen.

Eckhard und Helga Hase-Tranelis trugen gemeinsam Vergnügliches über die Beziehung zwischen Mann und Frau vor (c) Brigitta Möllermann

Eckhard und Helga Hase-Tranelis trugen gemeinsam Vergnügliches über die Beziehung zwischen Mann und Frau vor (c) Brigitta Möllermann

Ein modernes Märchen aus alten Zeiten hatte sich das Paar ausgewählt: "Einer der Hauptgötter des Hinduismus, Brahma, Schöpfer allen Lebens, saß und sann im Weltenmai, wie das Weib zu schaffen sei. Denn, als er den Mann erschaffen, hatte er alle festen, straffen Elemente schon verwandt." Die indische Legende kommt zu dem klugen Schluss (des Weibes ;-), dass es genauso gut ohne wie auch mit dem Manne leben könne.

Stricken und Sticken ist das Metier von Christiane Kranz aus Stockhausen (c) Brigitta Möllermann

Stricken und Sticken ist das Metier von Christiane Kranz aus Stockhausen (c) Brigitta Möllermann

Immer aktiv dabei ist Christiane Kranz aus Herbstein-Stockhausen. Bei ihr wird nicht nur gemeinsam gestrickt, sondern auch gestickt - zurzeit für den Weltfrauentag. Bei dem inzwischen recht bekannten Projekt arbeiten Frauen mit und für Frauen am Frauenweltenteppich <-KLICK. Auf dem immer länger werdenden Wandteppich wird die Geschichte aller Frauen dieser Welt verewigt. Den Anfang und Mittelpunkt bildet dabei die gestickte Weltenesche Yggdrasil.

Zum guten Schluss ein wunderbares Spiel auf einer keltischen Harfe (c) Brigitta Möllermann

Zum guten Schluss ein wunderbares Spiel auf einer keltischen Harfe (c) Brigitta Möllermann

Mit dem Lied "Wild Mountain Thyme" zum Mitsingen, begleitet von einer Rahmentrommel, gaben Jutta Richter (links) und die Harfenlehrerin der Lauterbacher Musikschule, Sabine Sturz (rechts), eine Vorausschau auf ihren Auftritt zum diesjährigen Kultursommer. Am Tag vor Maria Himmelfahrt, am 14. August 2016, werden die beiden in der Kapelle auf dem Totenköppel <-KLICK auftreten. An diesem Tag findet gleichzeitig die Kräuterweihe statt. Ein volkstümlicher Brauch, bei dem Sträuße aus Kräutern und Getreide vom Priester gesegnet werden.

Quelle Text + Fotos: Brigitta Möllermann


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