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Kultur & Bildung

In 'Gegenüberstellung' werden Vergangenheit und Gegenwart verbunden

Es braucht einen wachen, scharfen Blick, um heute die Position aufzuspüren, aus der ein historisches Foto aufgenommen wurde (c) KTM

Es braucht einen wachen, scharfen Blick, um heute die Position aufzuspüren, aus der ein historisches Foto aufgenommen wurde (c) KTM

Der Verein "Kunstturm Mücke" lädt herzlich ein zu seiner neuen Ausstellung "Gegenüberstellung", in der der Erzabbau im westlichen Vogelsberg erneut thematisiert wird. Historische Fotos und aktuelle von heute, die aus dem selben Blickwinkel aufgenommen wurden, sollen zeigen, wie sich die Landschaft in den letzten 100 Jahren verändert bzw. entwickelt hat. Auch darf man gespannt sein, woran man sich noch erinnert und was in Vergessenheit geraten ist.

Mithilfe alter Fotos soll gezeigt werden, wie der Bergbau mit Brauneisenstein im großen Tagebau mit seinen Schlammteichen und den dazu gehörenden Industriebauten die Gegend früher eindrücklich prägte. Zur Orientierung und Zuordnung wurde eine Karte erstellt, auf der die wichtigsten bergbaulichen Anlagen verzeichnet sind: Gruben, Seilbahnen und Erzwäschen etc..

Schön wäre es, man könnte nicht nur die alten Orte wiederentdecken und zuordnen, sondern auch zu den vielen abgebildeten Menschen und Begebenheiten auf den alten Fotos eine konkrete Geschichte hören. Vielleicht können Sie - die Besucher der Ausstellung - dabei helfen?

Die Eröffnung findet statt am Sonntag, den 30. Juli 2017, um 14.00 Uhr im Kunstturm Mücke zwischen den Mücke-Merlau, Heegstr. 40 (Außenliegend) und Nieder-Ohmen, gegenüber vom Hallenbad und der Gesamtschule. Die Ausstellung ist barrierefrei.

Es wird gebeten, nicht direkt am Kunstturm zu parken. An der gegenüberliegenden Schule befinden sich ausreichend Parkplätze.

Öffnungszeiten vom 30.07.2017 bis 17.09.2017: Sonntags von 14.00 - 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Gut zu wissen

Gegenüberstellung ist der Versuch, damals und heute zu verbinden.

Damals, das sind Fotos aus der Zeit von 1860 bis 1970, der Zeit der Tagebaue im westlichen Vogelsberg.

Heute, das ist die Dokumentation der Orte 2017, viele Jahre und Jahrzehnte später.

Was ist aus den Gruben und technischen Anlagen geworden? Wo sind sie, was lässt sich noch finden, erkennen, erahnen? Was steht nun an diesen orten? Wie sehen die Tagebaugruben und Schlammteiche heute aus?

- Der Kunstturm war von den 50er Jahren bis 1968 Speicher- und Verladeturm für aufbereitetes Erz.
- Die Schreinerei HolzArt war eine Erzwäsche.
- Das erst in jüngster Zeit entstandene Viertel um die Wallenbachstraße in Mücke ist ehemaliges Grubengelände.
- Die Verwaltung der Gemeinde Mücke war früher Sitz der Grubengesellschaft, Gewerkschaft LOUISE Brauneisenstein Bergwerke Merlau

Ist das wichtig? Für den Alltag sicher nicht!

Wenn wir uns aber klarmachen:
- bis zum Beginn des industriellen Abbaues von Brauneisenstein war der Vogelsberg ein Auswanderungsland,
- mit dem Bergbau und wegen des Bergbaues wurde die Oberhessische Eisenbahn gebaut,
- mit dem Bergbau kamen gänzlich neue Berufsfelder und Qualifizierungsmöglichkeiten in eine vormals rein agrarisch geprägte Region,
dann wird schon an diesen wenigen Beispielen eine deutliche Entwicklung sichtbar und begreifbar.

Es liegt in der Absicht dieser Ausstellung, nicht die Romantik der "guten alten Zeit" zu zeigen, sondern die widersprüchliche Entwicklung bis zur Gegenwart.

Unwillkürlich kommen einem diese interessanten Gedanken: Sollten wir jetzt schon anfangen Windkraftanlagenteile zu sammeln? Baupläne der Fundamente? Oder Daten zu Einspeisemengen und der Windverteilung?

Vielleicht werden unsere Enkel Fotos von Windkraftanlagen ausstellen, Zufahrtwege rekonstruieren oder mit Hinweisen auf noch erhaltene Betonfundamente und Umspannhäuschen an die Anfänge erneuerbarer Energie im Vogelsberg erinnern. Ein umstrittenes Thema....

So fragt man sich: War die Entwicklung damals nur ungetrübter Fortschritt?

Quelle: kunst_turm_mücke e.V.

2017 Vogelsberg