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Jugend & Partizipation

Frühförderstelle der bhvb: Gezielte Hilfen für Kinder und ihre Familien

Vom Fühlen über das Erkennen zum Ausdruck: Der Entwicklungsbaum zeigt Schritte, bei denen die Frühförderung helfen kann (c) Traudi Schlitt

Vom Fühlen über das Erkennen zum Ausdruck: Der Entwicklungsbaum zeigt Schritte, bei denen die Frühförderung helfen kann (c) Traudi Schlitt

Die Frühförder- und Beratungsstelle des Vogelsbergkreises hilft bei Entwicklungsverzögerungen mit Einschätzung, Beratung und Therapie bis zum Schulalter

Kinder entwickeln sich unterschiedlich – da sind die Schnellen, die früh krabbeln, lautieren und sich umsehen, schnell sprechen lernen und ihre Umwelt damit verblüffen. Und da sind die Spätzünder, die, die sich alles genau zu überlegen scheinen, bevor sie es tun, und die Schnellen irgendwann einholen. Wenn sie es überhaupt tun. Wann ist mein Kind eigentlich genau ein Spätzünder, bei dem ich als Mutter oder Vater noch entspannt zurücklehnen und warten kann, und wo beginnt der Therapiebedarf?

Wer kann helfen, wenn aufgrund eigener Beobachtung oder nach Rücksprache mit den Erzieherinnen in der Kita Sorge herrscht, dass die Entwicklung des Kindes nicht altersgemäß ist?

Es gibt viele Faktoren, die bei Eltern Unsicherheit wecken können: eine risikoreiche Schwangerschaft oder eine Frühgeburt können Ursachen für eine Entwicklungsverzögerung sein. Schwierigkeiten beim Essen und Trinken sowie Probleme beim Greifen, Sitzen, Krabbeln, Laufen und Sprechen können Indikatoren dafür sein. Auch eine festgestellte Behinderung kann Ängste und Verunsicherung bei den Eltern und in den Familien hervorrufen.

Eine Anlaufstelle in solchen Fällen ist seit mehr als 25 Jahren die Frühförder- und Beratungsstelle. Sie gibt Eltern die Möglichkeit, sich freiwillig, kostenlos und ohne weitere Verpflichtung über den Entwicklungsstand ihres Kindes zu informieren.

Erfahrene Pädagogen schauen sich das Kind an, entdecken spielerisch und mit viel Empathie, ob hier Therapiebedarf besteht. Diesen besprechen sie sowohl mit den Eltern als auch – das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt – mit anderen Beteiligten: möglichen Therapeuten genauso wie dem Kinderarzt.

Einen Großteil der Frühförderung können die Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle selbst leisten. Und das geht sowohl zuhause in den Familien, in der Kindertagesstätte oder in den Räumen der Frühförderung.

„Für viele Eltern ist es erst einmal ein großer Schritt, ihre Unsicherheit zuzulassen und uns aufzusuchen“, weiß Michael Volk, Leiter der Frühförder- und Beratungsstelle in Alsfeld. „In den meisten Fällen jedoch schafft ein Besuch bei uns große Erleichterung – zum einen, weil wir mit Früherkennung und Beurteilung Klarheit für die Familien schaffen können, zum anderen, weil wir sie im Bedarfsfall auch beraten und in Therapien vermitteln können.“

„Und sollte ein Kind in der Tat eine gravierende Entwicklungsverzögerung oder eine körperliche oder geistige Behinderung aufweisen, ist es auch für die Familie wichtig, selbst den richtigen Umgang damit zu finden. Was nicht immer einfach ist“, erläutert Kerstin Spiegl. Sie ist Mitarbeiterin der Frühförder- und Beratungsstelle und besetzt die Heilpädagogische Fachberatung für Kindertagesstätten im Vogelsbergkreis. In dieser Eigenschaft berät sie Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertageseinrichtungen des Kreises – fast sechzig Stück an der Zahl.

„Häufig werden Entwicklungsverzögerungen erst in der Kindertagesstätte auffällig“, berichtet Spiegl. Gerade bei der gestiegenen Zahl an Kindertagesplätzen für Kleinkinder sei dies ein großes Thema. Ihre Beratung für pädagogische Fachkräfte deckt inhaltlich eine gemeinsame Entwicklungseinschätzung eines Kindes ab, Informationen über den konkreten pädagogischen Umgang oder den Austausch über entwicklungsunterstützende Spiel- und Fördermöglichkeiten.

„Entwicklungsauffälligkeiten sind stets sehr individuell und müssen daher auch individuell betrachtet werden. Dabei kann die heilpädagogische Fachberatung in Kitas durchaus einen wichtigen Beitrag leisten.“ So wie die Frühforderung und Beratung für Eltern und Familien ist auch dieses Angebot der Frühförder- und Beratungsstelle unverbindlich und kostenfrei.

Etwa 120 bis 140 Familien betreut die Frühförder- und Beratungsstelle im Vogelsbergkreis. Die Dauer der Förderung ist auf die Zeit vor der Einschulung begrenzt. „Es ist daher sinnvoll, bei drohender oder festgestellter Entwicklungsverzögerung so früh wie möglich Hilfe zu suchen“, betont Michael Volk. Für viele Eltern mit einem entwicklungsverzögerten oder behinderten Kind ist die Frühförder- und Beratungsstelle mit der Zeit zu einem wichtigen Begleiter auf dem Weg mit einem Kind geworden, das ein wenig mehr Unterstützung braucht als andere. Nicht zuletzt durch das Angebot, interdisziplinär, also gemeinsam mit Familien, Kinderärzten, Therapeuten und Erzieherinnen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu entwickeln, was für das Kind gut ist.

„Es tut gut, sich nicht allein zu fühlen und gleichzeitig kompetente Hilfe zu bekommen – und das kostenlos und ohne Zwang“, freut sich die Mutter eines behinderten Kindes. Für sie war und ist der Rat der Frühförderstelle wertvoll – eine große Hilfe auf einem nicht immer leichten Weg.

Die Frühförder- und Beratungsstelle ist eine Einrichtung der Ambulanten Dienste der bhvb – Behindertenhilfe Vogelsbergkreis e.V. Mehr Informationen dazu findet man auf der Website der bhvb unter www.bhvb.de - HIER <-KLICK.

Quellen: bhvb – Behindertenhilfe Vogelsberg e.V. / Traudi Schlitt

2017 Vogelsberg