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Energie & Natur

Naturschutzgroßprojekt: Der Vogelsberg auf seinem Weg zur Modellregion

Schützenswerte Natur im Vogelsberg (c) Brigitta Möllermann

Schützenswerte Natur im Vogelsberg (c) Brigitta Möllermann

Ungestörte, abwechslungsreiche Landschaft

Bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins des Naturschutzgroßprojektes im März 2017 zeigte Ruben Max Garchow, Dipl. Ing. (FH) für Landschaftsnutzung und Naturschutz, in seinem Vortrag auf, wie die Arbeiten des Projektes im zweiten Jahr ihrer Umsetzung voranschreiten.

Garchow berichtete über Planung und Verhandlungen sowie den Ankauf von mehreren Flurstücken in den Gemarkungen von Wingershausen und Ruppertenrod. Auch die Übernahme von 27,6 Hektar Wald am Grebenhainer Berg in den Prozessschutz wurde gemeinsam mit Hessen-Forst auf den Weg gebracht. Das bedeutet in diesem Fall, dass die Staatswaldflächen für 100 Jahre aus der Nutzung genommen und gegen Ausgleichszahlungen ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden - so wie schon der Bannwald "Oberes Niddatal" und weitere Bereiche am Bilstein im Hillerswald. Insgesamt sind rund 4.000 ha Waldfläche von Hessen-Forst Bestandteil des Naturschutzgroßprojektes Vogelsberg - hauptsächlich im Oberwald rund um den Hoherodskopf und den Taufstein.

Artenschutz im Offenland und auf Grünlandflächen

Für die Instandsetzung von Brachen, das Dreschen artenreicher Mähwiesen (Wiesendrusch) und die nachfolgende Übertragung des gewonnenen Druschgutes inklusive Samen auf artenärmere Bestände bezahlte man verschiedene Landwirte und Lohnunternehmer. Zur Entbuschung von Weideflächen und Wiesen in Naturschutzgebieten und zwecks Beseitigung von Wildschweinschäden sind entsprechende Arbeiten vorgenommen worden.

Wo zum Beispiel aufgrund von Felsen und einer besonderen Hanglage der Einsatz von Maschinen nicht möglich war, mussten Mäharbeiten und die Entfernung von Büschen auf Borstgras-Beständen per Hand erledigt werden. So kann dort jetzt eine extensive Beweidung wieder möglich werden, damit sich der ökologisch wertvolle Pflanzenbestand regeneriert.

Als invasiver Neophyt – pflanzlicher Eindringling – wurde die Lupine an verschiedenen Stellen mit geeigneten Maßnahmen bekämpft, wo sie den heimischen Arten ihren Lebensraum streitig macht.

Für das Hochmoor "Breungeshainer Heide" wurden knapp 59.000 Euro für erste Renaturierungsmaßnahmen gezahlt. Im einzelnen waren dies u. a. die Fertigstellung der Planung, der Beginn des Wasserstandsmonitoring, die Anlage von Testflächen, das Entfernen von Fichten und störendem Pfeifengras sowie das Vermessen der Entwässerungsgräben im Übergangsmoor "Lattenbruch".

Daneben sind mehrere Workshops zwecks Erfahrungsaustausch zum Thema mit Beauftragten von Hessen-Forst, den Naturschutzbehörden und dem Amt für Wirtschaft und ländlicher Raum abgehalten worden.

Fischaufstiege für Süßwasserfische, Tränken für Schafe

Bei den Gewässern wurden die größten Ausgaben für die Renaturierung des Eisenbaches in und zwischen den Ortschaften Eichenrod unf Eichelhain verzeichnet. Im speziellen waren dies - in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Lautertal - der Umbau von Durchlässen im Bach, damit Forellen, Bachneunaugen und Groppen von der Quelle bis zur Mündung in die Lauter gelangen können.

Schafe als Landschaftspfleger (c) Brigitta Möllermann

Schafe als Landschaftspfleger (c) Brigitta Möllermann

Im Naturschutzgebiet auf dem Ernstberg sowie am Hoherodskopf werden Quellen renaturiert. Um diese naturnahen Quellbereiche zu schützen und trotzdem eine Bewirtschaftung mit Schafen zu ermöglichen, sollen nach Prüfung nun auf nahe gelegenen Weideflächen Tränken eingerichtet werden. Eine Möglichkeit wäre, die so genannten Quellsammler, die Wasser ungenutzt in Gräben ableiten, zur Versorgung zu nutzen. So müsste der Schäfer nicht mehr so oft mit seinen Schafen die Straße überqueren, um seine Tiere zu tränken.

Öffentlichkeitsarbeit und Internes

Das Projektteam brachte 2016 einen Infobrief heraus und bot neben einer Exkursion mit Studenten der Uni Kiel durch das Projektgebiet für die Mitglieder im Sommer eine Wanderung an. Zudem beteiligte man sich am Bergmähwiesentag sowie an der Planung einer Ausstellung auf dem Hoherodskopf. Zusätzlich nahmen die Teammitglieder an Weiterbildungen und verschiedenen Workshops teil.

Daneben stand die Evaluierung, sprich Bewertung des Projektes, auf dem Plan. Der Ist-Zustand wurde ausführlich dokumentiert für zukünftige Maßnahmen. Der Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) wurde im Jahr 2016 um 60,4 ha erweitert. Für das kommende Jahr 2017 bereitet man einen Informationstag zur Hochmoor-Renaturierung vor.

Quelle: Brigitta Möllermann, Ergänzungen: Ruben Max Garchow


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