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Energie & Natur

Neues aus dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg zur Hochmoor-Renaturierung

Die Planer der Hochmoor-Renaturierung - v.l.: Wolfgang Wagner und  Rupert Meier (c) Brigitta Möllermann

Die Planer der Hochmoor-Renaturierung - v.l.: Wolfgang Wagner und Rupert Meier (c) Brigitta Möllermann

Ökologisch besonders wertvoll: Das Hochmoor im Vogelsberg

Die Hochmoor-Renaturierung der Breungeshainer Heide im Oberwald ist eine der besonderen Herausforderungen für das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg. Auf der Jahreshauptversammlung des Fördervereins im März 2017 bekam man Auskunft über konkrete Maßnahmen von den damit beauftragten Planern Rupert Meier (Ing. Büro für Vegetation, Boden, Wasser, Landschaftsökologie) und dem Dipl. Biologen Wolfgang Wagner (Büro für ökologische Fachplanungen).

Sie zeigten in ihren Vorträgen auf, wie eng die Wasserverhältnisse verbunden sind mit der Wiederherstellung dieses seltenen Hochmoores. Da es früher in Unkenntnis seiner Wichtigkeit stark entwässert und dort auch Torf abgebaut wurde, sind nur noch wenige intakte Relikte dieses Ökosystems vorhanden, wie die leicht entwässerte Kuppe des Hochmoores. Insgesamt ist der Zustand des gesamten Moores nicht gut. Seine Fläche beträgt heute etwa vier Hektar bei einer Torfdicke ("Mächtigkeit") bis zu 3,3 Metern.

Wenn die Hydrologie gestört ist

Die Entwässerung durch Gräben hatte zur Folge, dass die torfbildenden Moose und typischen Pflanzen die nötigen Lebensbedingungen nicht mehr vorfanden und abstarben. Infolgedessen zersetzte sich der Torf und mineralisierte durch die Absenkung des Wasserspiegels. Das heißt,die organischen Stoffe bauten sich zu mineralischen Endprodukten unter Freisetzung von Energie ab.

Einerseits hoffte man damals wohl, das Moor land- oder forstwirtschaftlich nutzen zu können. Andererseits wurde Torfmaterial als "brennbare Erde" zum Heizen, Dämmen und als Streu im Stall benötigt. Und vermutlich wurden zusätzlich die Randbereiche als Weideflächen verwendet. So fraß das Vieh den Rest.

Ein Hochmoor braucht viele Jahrhunderte, um zu dem landschaftlichen Wasser- sowie Co2-Speicher zu werden, dessen Bewahrung uns inzwischen wichtig geworden ist. Torfabbau zur Verwendung in Blumenerde, zum geschmacklichen Räuchern schottischen Whiskys und für medizinische Moorbäder findet jetzt nur noch in abgestorbenen Biotopen statt.

Geplante Wiedervernässung

Lediglich einige Millimeter pro Jahr "wächst" der Torf im Moor. Durch Ablagerung abgestorbener Pflanzenteile verlandet seichtes Gewässer im Flachland nach und nach, bis ein Hochmoor ohne direkten Grundwasserkontakt entsteht.

Und während besonders angepasste Pflanzen die Oberhand bekommen - z. B. bestimmte Heiden, Sauergräser, Wollgräser, Binsen und Torfmoose mit filzartigen Wurzeln - bewirken Wasserstau im Boden, reichlich Niederschlag von oben plus eine hohe Luftfeuchtigkeit, dass dort kaum noch Sauerstoff vorhanden ist. So bleibt an dieser Stelle die vollständige Zersetzung der Pflanzenreste aus. Licht und Sonne tun ein Übriges dazu und bewirken, dass die Pflanzen weiter Substanz an der Oberfläche produzieren.

Schnee und Regen müssen in den nächsten 30 Jahren den Wasserverlust ausgleichen 

Im Einzugsgebiet der Nidda entwickelte sich aus einer kleinen Senke heraus durch die hohen Niederschläge eines der in Hessen seltenen Hochmoore auf dem grundwasserunabhängigen Mineralboden im Oberwald. Um funktionsfähig zu bleiben, brauchte es dauerhaft ein feuchtes und ausgeglichenes Klima.

Ein Sondergutachten im Jahr 2008 erbrachte als Ergebnis, dass sich die Renaturierung des Vogelsberger Hochmoores in der Breungeshainer Heide lohnt. Nach seiner Kartierung wurde 2015 das Gelände vermessen. Nun werden noch vorhandene Gräben und Querbauwerke aus vorangegangenen Renaturierungsversuchen instand gesetzt, mit Torf aufgeschüttet und die Wehre entsprechend zur Regulierung des Wasserstandes repariert.

Mit dem Einbringen von senkrechten Spundwänden in die Gräben soll ein Abfließen des Wassers verzögert und und gleichzeitig der Wasserspiegel im Moorkörper dauerhaft angehoben werden. Auf diese Weise können wieder Bedingungen für ein Wachstum der Torfmoose geschaffen werden.

Die Maßnahmen sind zur Zeit in Planung, heißt es aus dem Naturschutzgroßprojekt. Sie befinden sich im Abstimmungsprozess zwischen Hessenforst, dem Regierungspräsidium Gießen und den Naturschutzverbänden und weiteren Beteiligten.

Nach Erreichen eines Einvernehmens aller Parteien über die Maßnahmen soll in diesen Jahr noch eine Ausschreibung für die entsprechenden Arbeiten stattfinden. Bei dem Interessensbekundungsverfahren Ende 2016 kamen sechs Firmen mit Erfahrungen in der Moorrenaturierung in eine engere Auswahl.

Die Renaturierung des Moores wird wahrscheinlich bis 2018 oder 2019 dauern. Der Umsetzungsstart ist ab Sommer / Herbst 2017 geplant.

Zurückdrängung der untypischen Flora

Zur Verbesserung des Wasserhaushaltes in der Breungeshainer Heide wurden inzwischen Fichten mit einem Stammdurchmesser von maximal 10 Zentimetern aus dem Hochmoor entfernt. Der Bestand einiger Eiszeit- und Urwaldrelikt-Arten, wie die Moor- oder Karpatenbirke blieben erhalten. 

Auf zwei Dauerbeobachtungsflächen von ca. 500 m² soll nun in dem dortigen 7500 m² großen Birkenwald das "Ringeln" von Birken und dessen Einfluss auf den Moorwasserstand erprobt werden.

Das fast 100% flächendeckend wachsende Pfeifengras im degenerierten Randbereich des Hochmoores und des umgebenden Niedermoores wurde auf zwei Dauerbeobachtungsflächen tief abgemäht und die "Bulten"(oberirdisch hochstehende Blatthorste) in einem Bereich von 25 mal 25 Metern "geplaggt" - abgetragen. Jetzt soll an dieser Stelle beobachtet werden, ob das in den momentan entwässerten Moorbereichen für ein schnelleres Aufkommen von Torfmoosen sorgt.

Im Zuge weiterer Maßnahmen gegen die Degenerierung des Moores werden Wasserpegel kontrolliert und an mehreren Messstellen regelmäßig Wasserproben entnommen, um sie auf Leitfähigkeit und pH-Wert zu untersuchen.

Die Veränderungen der Wasserstände werden durch mehrere automatische Messerwertnehmer kontinuierlich erfasst und im Planungsbüro regelmäßig ausgelesen. Dafür wurden beide Beobachtungsflächen im Birkenwald nahe der Messstellen angelegt. Dokumentiert wird ferner die Entwicklung der Vegetation. Aufgezeichnet wurden bislang 40 Moosarten und acht Torfmoosarten.

Gut zu wissen

Bei einem Hochmoor, auch Regenmoor genannt, kommt das Wasser von oben. Niedermoore werden vom Grundwasser gespeist.

Ringelung (Ringeln) ist das Entfernen eines breiten Rindenstreifens am Stamm eines Baumes oder Strauches. Damit wird in der Pflanze der Transport der Assimilate zu den Wurzeln verhindert.

Quelle: Brigitta Möllermann, Ergänzungen: Ruben Max Garchow


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