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Energie & Natur

Internationaler Tag des Wassers

Nidda Wasserfall in Schottens Alteburgpark (c) Brigitta Möllermann

Nidda Wasserfall in Schottens Alteburgpark (c) Brigitta Möllermann

Protest gegen das Degradieren von kostbarem Grundwasser zur gewinnbringenden Handelsware

Am 22. März 2016, dem Internationalen Tag des Wassers, machte die Protestaktion der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) und der Burgwald-Initiative auf dem Frankfurter Römer gegen mehr Fernwasser Schlagzeilen. Damit forderte der Verein genau vor einem Jahr zusammen mit anderen Naturschutzverbänden und Vogelsberger Bürgermeistern, Landtags- und Bundestagsabgeordneten den Grundwasser-Raubbau im Naturraum Vogelsberg zu stoppen. Im Mittelpunkt standen Pläne der Wasserversorger im Raum Rhein-Main, Frankfurter Brunnen zu schließen und stattdessen mehr und billigeres Fernwasser aus dem Umland zu beziehen.

Heute, ein Jahr später, haben sich die Chancen für das Realisieren des damals präsentierten Maßnahmenkatalogs gewaltig erhöht. Insbesondere die langjährige Kernforderung der SGV, die Kommunen im Rhein-Main-Gebiet sollen sich wieder mehr aus ihren eigenen Wasservorkommen versorgen, wird mittlerweile ernsthaft diskutiert.

So hat selbst die WRM, der Zusammenschluss der Wasserversorger des Ballungsraums, ihre These von der Unmöglichkeit einer stärkeren Eigenversorgung fallen gelassen und propagiert nun sogar das Reaktivieren von Frankfurter Wasserwerken. Inwiefern solchen Worten auch Taten folgen werden, muss die WRM allerdings erst noch unter Beweis stellen. Denn ihr geht es auch um das Erzielen von Gewinnen.

Tatsache aber ist, dass sich innerhalb dieses Jahres eine Art 'Hessische Wasserwende' zumindest für die Versorgung des Rhein-Main-Gebietes abzeichnet. Endlich hat das Hessische Umweltministerium den längst überfälligen Prozess für eine Reform der bisherigen Fernwasserpolitik eingeleitet, indem es alle Beteiligte zum Erarbeiten eines neuen Leitbildes an einem Tisch geholt hat.

Dabei sollen gemeinsam fortschrittliche Kriterien für die Vereinbarkeit von sicherer Wasserversorgung und Naturschutz festgeschrieben werden. Denn eine zukunftsfähige hessische Wasserpolitik kann und darf künftig weder den personell chronisch unterbesetzten Genehmigungsbehörden noch den Eigeninteressen der Wasserversorger überlassen bleiben. So muss sie endlich als Kernelement darauf basieren, zwischen dem Bedarf an Trinkwasser und an Nicht-Trinkwasser zu unterscheiden, was viele Akteure bislang noch ablehnen.

Ein weiterführendes Ausbeuten des Grundwassers im Umland kann es in Zukunft jedenfalls nicht mehr geben. Im Gegenteil muss dem Naturraum mehr Wasser belassen werden, um ihn gegen den Klimawandel mit seinen immer längeren Trockenperioden zu schützen.

Davon würde auch die Versorgungssicherheit der wachsenden Bevölkerung in der Metropolregion profitieren, da eine ortsnahe Wassergewinnung aus vielen Brunnen weit weniger störanfällig ist als es die wenigen Fernwasserleitungen sind. Außerdem dürfte Fernwasser künftig teurer werden, da es sich die Gewinnungsgebiete nicht mehr bieten lassen, den Grundwasserschutz Frankfurts finanzieren zu müssen.

In der Zusammenschau stellt der diesjährige Tag des Wassers einen Meilenstein für eine hessische Wasserwende dar

Der eingeschlagene Weg zu mehr Eigenverantwortung des Ballungsraumes für sein Wasser, zum Vorrang des dortigen Grundwasserschutzes und damit zu mehr Eigenversorgung muss konsequent weiter bis hin zum Fixieren im hessischen Wassergesetz und zum Realisieren konkreter Maßnahmen beschritten werden.

Dafür wird auch die Wasser-Allianz der hessischen Umweltverbände sorgen, die von der SGV in den letzten Monaten ins Leben gerufen wurde. Denn eine Wasserwende, die lediglich auf dem Papier steht, nutzt niemandem. Mehr Wasser für den Naturraum dagegen uns allen, auch den nächsten Generationen.

Quelle: Cécile Hahn, Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV)

2017 Vogelsberg