background
logotype
image1 image2 image3 image4 image5 image6 image7 image8 image9 image10 image11 image12

Awards, Tipps & Förderung

Der natürliche Reichtum unserer Erde: Vielfalt im Rahmen der Biodiversitätsstrategie erhalten

Juni 2016: Naturgeschützter Forellenteich im Oberwald (c) Brigitta Möllermann

Juni 2016: Naturgeschützter Forellenteich im Oberwald (c) Brigitta Möllermann

Erste Vogelsberger Kreiskonferenz zur Biodiversität

Anfang Mai 2016 hatte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreis Vogelsberg Fachleute und Interessierte aus unterschiedlichen Bereichen nach Lauterbach zu einer Biodiversitätskonferenz eingeladen. Gemeinsam sollen Projekte zur Verbesserung der Artenvielfalt entwickelt werden, die mit Hilfe von Landesmitteln bis 2020 realisiert werden können.

Biodiversitätskonferenz in Lauterbach (c) Brigitta Möllermann

Biodiversitätskonferenz in Lauterbach (c) Brigitta Möllermann

Um unsere Lebensgrundlagen zu sichern und für nachfolgende Generationen zu erhalten, sind dabei Bürger, Schulen, Kindergärten, Vereine, Kommunen und Unternehmen als Grundstücks- und Gartenbesitzer, auch Landwirte und Waldeigentümer sowie Engagierte im Naturschutz angesprochen und zum Mitmachen aufgefordert.

Nach der Eröffnung und Begrüßung gab es informative Vorträge zum Thema. Detlef Szymanski vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) stellte die Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen sowie die Ziele der Europäischen Strategie bis 2020 vor und erläuterte, warum wir die genetische Vielfalt brauchen und dazu so genannte "Verantwortungsarten" erhalten müssen.

Letztere sind Tiere und Pflanzen, die nur bei uns vorkommen. Dafür wurde vom Bundesamt für Naturschutz unter Beteiligung der Länder eine Liste mit 40 einzelnen Arten erstellt. Bekannt darunter sind Wildkatze, Rotmilan, Feuersalamander sowie verschiedene Fledermäuse, Falter und Muscheln. Bei den Pflanzen zählt man u. a. Arnika, Zittergras, Löffelkraut und Knabenkraut hinzu. Mehr dazu beim Bundesamt für Naturschutz: http://biologischevielfalt.bfn.de/verantwortungsarten.html

Strategieziel 2020 (c) HMUKLV - Foto: Brigitta Möllermann

Strategieziel 2020 (c) HMUKLV - Foto: Brigitta Möllermann

Ohne funktionierende Natur spielt wirtschaftlicher Erfolg keine Rolle

Um Aktionen vor Ort zu starten und umzusetzen, führte Szymanski Finanzierungsmöglichkeiten und Organisatorisches aus. Eine seiner Begründungen war: "Die Kosten für den Erhalt der biologischen Vielfalt sind geringer als für ihre Wiederherstellung, sofern das überhaupt möglich sein kann."

Durch den Dialog in einem Netzwerk von Politik, Naturschutzverbänden, Wissenschaftlern, Behörden und Bürgern und das Engagement von Wirtschaftsunternehmen kann die Natur zwar als "Kapital", aber auch nachhaltig genutzt und dabei möglichst gut geschützt werden: "Ziel ist es, den dramatischen Verlust an Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt aufzuhalten." Siehe: www.business-and-biodiversity.de

Szymanski erwähnte, dass es Unterstützung gibt von der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen (BVNH), die bereits einige Maßnahmen für Artenhilfsprogramme erstellt hat und Broschüren und Artikel in ihrer Zeitschrift "Botanik und Naturschutz" veröffentlicht. In diesem Jahr bietet sie hessenweit zum Beispiel noch einige spezielle Niedermoor-Exkursionen an.

Seltene Orchidee im Vogelsberg: Dactylorhiza majalis (c) Brigitta Möllermann

Seltene Orchidee im Vogelsberg: Dactylorhiza majalis (c) Brigitta Möllermann

Der Verein BVNH (www.bvnh.de) hat seinen Sitz in Schlitz, jedoch Ansprechpartner in ganz Hessen. Er beteiligt sich an Schulgarten-Projekten, der Pflege von Streuobst- oder Feuchtwiesen und Magerrasen sowie Kartierungen und arbeitet nach eigenen Aussagen mit an wissenschaftlichen Fragestellungen. Ergänzende Anliegen der Mitglieder sind die Erhaltung der Flora in Dörfern, unserer Kulturlandschaft und weiterhin Ausweisungen von Naturschutzgebieten.

Mehr zur hessischen Biodiversitätsstrategie des HMUKLV im Internet: www.biologischevielfalt.hessen.de
und www.hessen-nachhaltig.de

Grünland: Für den Vogelsberg typisch

Ein zweites wichtiges Standbein im Naturschutz ist das Erarbeiten von "Roten Listen" für die ausgestorbenen und gefährdeten Arten. Zur Sicherung der momentanen Bestände werden seit einiger Zeit verschiedene Maßnahmen ergriffen, um mittels der Nationalen Strategie bis 2020 die Situation um eine Stufe zu verbessern. Siehe: www.bfn.de/0322_rote_liste.html

Weiße Blüteninsel im oberen Forellenteich: Wasserhahnenfuß zur Sauerstoffanreicherung (c) Brigitta Möllermann

Weiße Blüteninsel im oberen Forellenteich: Wasserhahnenfuß zur Sauerstoffanreicherung (c) Brigitta Möllermann

Detlef Mahn vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie referierte bei der Lauterbacher Konferenz über diese Liste mit rund 4.000 gefährdeten Pflanzen und besonderen Arten. Regionalisiert und einzelnen Städten und Kreisen zugeordnet sind einzelne LRT - Lebensraumtypen.

Zum Beispiel die Bergmähwiesen im Vogelsberg, die ab 350 Höhenmetern vorkommen, die bedroht sind, sowie der Borstgrasrasen mit der selten gewordenen Arnika, deren Rückgang sich stetig fortsetzt. Doch es sind bereits Aktivitäten zum Erhalt in Gange- z.B.: Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg <-KLICK.

Mahn informierte die Zuhörer zudem darüber, dass vom Bundesamt für Naturschutz nützliche Information über Vegetationsarten und Pflanzen im "FloraWeb" ins Netz gestellt werden. Dort sind allgemeinverständliche Steckbriefe zu finden, hinzu kommen Karten auf Messtischblatt-Basis plus ein Forum zum Austausch. Alle Inhalte werden kontinuierlich weiterentwickelt und aktuell gehalten: www.floraweb.de

Von Bienen bis Wald: Wissen und Bildung für Landwirtschaft und Gartenbau

Angebot des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (c) LLH - Foto: Brigitta Möllermann

Angebot des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (c) LLH - Foto: Brigitta Möllermann

Martina Behrens, Agrar-Ingenieurin aus dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Alsfeld erläuterte dem Publikum die von ihrem Beratungsteam Pflanzenbau Biodiversität angebotene, kostenlose Beratung für die Landwirtschaft. Um auch in diesem Bereich die Artenvielfalt zu erhalten, gäbe es beispielsweise Blühstreifen mit Düngeverzicht an Feldrändern, das Stehenlassen von Stoppelfeldern sowie das wildtierfreundliche Mähen. Hauptgefährdungsursachen sieht sie in intensiver Düngung oder auch die Aufgabe der Nutzung bzw. das Aufforsten von Grünland.

In der dem LLH angeschlossenen Gartenakademie sowie an unterschiedlichen Orten in Hessen wird ein breit gefächertes Spektrum an Lehrgängen, Vorträgen und Kursen angeboten. Daneben veranstaltet der Landesbetrieb verschiedene Thementage zu Feld- und Gemüsebau oder auch nachwachsenden Rohstoffen, wie Kurzumtriebsplantagen und lädt zu Exkursionen ein. Mehr dazu: www.llh.hessen.de/veranstaltungen-und-seminare.html.

Wenn eine Pflanze geschützt wird, profitieren ihre Begleitpflanzen davon mit

Gudrun Huber-Kreuzer von der UNB lud ein zum Mitmachen (c) Brigitta Möllermann

Gudrun Huber-Kreuzer von der UNB lud ein zum Mitmachen (c) Brigitta Möllermann

Gudrun Huber-Kreuzer, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), gab bekannt, dass durch den Verlust von 90 Prozent der Biomasse in bestimmten Bereichen die Nahrungskette gefährdet ist. Sie wünscht sich für die Zukunft, im Vogelsberg Projekte für die Artenvielfalt zu entwickeln und durch Fördergelder bis zum Jahr 2020 umsetzen zu können. Vorschläge dafür können gerne bei der UNB des Vogelsbergkreises eingereicht werden: HIER <-KLICK.

Sie zeigte Handlungsmöglichkeiten im Vogelsbergkreis auf und legte dar, was Einzelne zum Erhalt der Biodiversität beitragen können. Ein Anfang kann damit gemacht werden, nicht jeden Mauerspalt am Haus zu schließen, um auf diese Weise Vögeln Nistplätze und Fledermäusen Quartiere zu bieten. Auch in den Gärten kann man mit heimischer Pflanzenvielfalt Bienen und Schmetterlingen Nahrung zur Verfügung stellen. Zudem haben die Saumstreifen am Feld eine hohe Bedeutung für Insekten und Vögel.

Bienen und Fliegen zählen zur so genannten Biomasse (c) Brigitta Möllermann

Bienen und Fliegen zählen zur so genannten Biomasse (c) Brigitta Möllermann

Weiterhin kann mit der Errichtung von Lesesteinhaufen, Trockenmauern und Benjeshecken neben landwirtschaftlichen Flächen Lebensraum für Tiere geboten werden. Auch wäre es denkbar, Maßnahmen zu erarbeiten, um den vom Aussterben bedrohten und nach FFH-Richtlinien der EU und der Bundesartenschutzverordnung streng geschützten Feldhamster wieder anzusiedeln.

Möglich wäre gleichermaßen das Anlegen von Naschsträuchern mit essbaren Beeren im Lebensraum Dorf / Stadt. Man könnte auch Schutzmaßnahmen ergreifen von seltenen Pilzen und Moosen im Wald, durch blühende Wiesen Bienenweiden schaffen, in Projekten effektive Nisthilfen für Vögel bauen und für die Tiere im Offenland - vom Greifvogel, über Rebhühner bis zum Feldhasen - Nistplätze oder geschützte Habitate konstruieren und für Amphibien bzw. Fische in und an Gewässern Biotope anlegen.

Wildes Hessen: Auch ohne Fِörderung kann man sich einbringen

Plakat: Mehr Vielfalt in Garten, Dorf und Stadt - Foto (c) Brigitta Möllermann

Plakat: Mehr Vielfalt in Garten, Dorf und Stadt - Foto (c) Brigitta Möllermann

Es wurde auf den 22. September 2016 hingewiesen, an dem der vierte Tag der Nachhaltigkeit in Hessen stattfindet. Unter dem Motto "Beobachten - Erleben - Schützen" geht es um die biologische Vielfalt. Vereine, Schulen, Kommunen oder auch Firmen sind aufgefordert, mit eigenen Aktionen daran teilzunehmen. Ein Aktivitätskompass samt Karte lädt schon jetzt Besucher im Internet ein zu den ersten Veranstaltungen. Die Ideen liefert zuvor ein Informationspapier. Mehr dazu: www.hessen-nachhaltig.de/de/mitmachaktion.html

Wichtig, erklärte Huber, wären fernerhin die lang vergessenen Ackerkräuter, die sogar in der Lage sind, vegetationsarme Zeiten zu überstehen. Als Anschauungsobjekt hatte sie eine winzige Pflanze mitgebracht, die zwei Jahre im Topf aus einem seltenen Ackerkeimling vorgezogen worden war. Diese stark gefährdete "Aufrechte Weißmiere" übergab sie an Richard Golle, den neuen Geschäftsführer des Vogelsberggartens, der sie auf dem von ihm betreuten Gelände einpflanzen sollte.

Für den Vogelsberggarten: (v.l.) Richard Golle und Ernst Happel (c) Brigitta Möllermann

Für den Vogelsberggarten: (v.l.) Richard Golle und Ernst Happel (c) Brigitta Möllermann

Ernst Happel, der als "Vater" dieses besonderen Gartens in Ulrichstein gilt, und heute als Berater und Unterstützer oft mit dabei ist, hatte ebenfalls eine Reihe von Pflanzen auf seinem Tisch aufgestellt, die er aus Samen herangezogen hatte.

Im Vogelsberggarten wird im Juni per Hand gemäht

Als ehemalige Gärtnerin des Vogelsberggartens und inzwischen Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde präsentierte Susanne Jost der Versammlung das sechs Hektar große Areal am Ulrichsteiner Burgberg mittels verschiedener Filme, die der hessische Rundfunk anlässlich mehrerer Besuche aufgenommen hatte. Ganz besonders freute sie sich über kürzlich gewährte Zuschüsse für den Vogelsberggarten.

Dieser "Hort der Biodiversität" erhält in den nächsten fünf Jahren jeweils 8.000 Euro Förderung zum Erhalt und zur Erweiterung. Sie ließ noch einmal wissen, dass der Garten, bei dem auch der Naturpark Hoher Vogelsberg mit im Boot sei, dringend zusätzliche Helfer benötige: "Biorübchen sucht grünen Daumen!"

Susanne Jost mit dem Reporter im Vogelsberggarten (c) HR-Film - Foto: Brigitta Möllermann

Susanne Jost mit dem Reporter im Vogelsberggarten (c) HR-Film - Foto: Brigitta Möllermann

Wer also Zeit und Lust habe, möge sich bei Richard Golle melden - Mobiltelefon: 0170/7245241. Mehr dazu im Internet: www.vogelsberggarten.de


Gut zu wissen

Maßnahmen für europäische Schutzgüter

Nach dem EU-Recht dienen Natura 2000 / FFH-Gebiete (F = Fauna, Tierwelt, F = Flora, Pflanzenwelt, H = Habitat / Lebensraum) seit längerem bereits dem Erhalt der biologischen Vielfalt. Gebietsmanagement und regelmäßiges Monitoring helfen zur Bewahrung und Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen mit ihren Pflanzen und wild lebenden Tieren. In diesem Sinne werden Maßnahme- und Bewirtschaftungspläne erstellt und umgesetzt.

Ausführliche Informationen: https://umweltministerium.hessen.de/umwelt-natur

Sich schlau machen: Was bedeutet Biodiversität?

Quelle: Brigitta Möllermann


HINWEIS: Alle Berichte - Texte + Fotos auf www.VOGELSBERG.de sind lt. UrhG geschützt: Die Rechte liegen bei den angegebenen Urhebern / Quellen. Sämtliche Inhalte dienen unseren Lesern zur persönlichen Information. Eine Nutzung für kommerzielle Zwecke sowie Archivierung / Kopieren und die Weitergabe an Dritte sind nicht gestattet! Gegen einen Link zu www.VOGELSBERG.de ist jedoch nichts einzuwenden (bm ;-) © 2016

1166

2017 Vogelsberg